Häufige Fragen

Was sind klassische Polsterungen?
Mit klassischen Polsterungen sind alle Möbel mit einer handgefertigten Polsterung gemeint. Diese kann auch industriell gefertigt worden sein. Bis zu den 1950er Jahren wurden Polstermöbel in traditioneller, handwerklicher Art in Fabriken hergestellt. Diese sind aus natürlichen Polstermaterialien in mehren Schichten aufgebaut worden. Schaumstoffe und andere synthetische Polstermaterialien gab es bis dahin nicht. Die klassische Polsterung hat viele Vorteile. Möbel können so jahrzehntelang genutzt werden, ohne starke Veränderung. Eine Aufarbeitung ohne komplette Basis-Erneuerung ist meistens möglich. Bei starker Elastizität durch die Federung ist die Festigkeit sehr hoch. Dadurch stützt sie die Körperpartien sehr gut ab. Durch die Hohlräume (Federungen) findet ein optimaler Wärmetransport statt.

Wie unterscheidet man Schaumstoffqualitäten?
Schaumstoffe unterscheiden sich in der Dichte der Schäumung und der Festigkeit. Je mehr Material für die Schäumung verwendet wird, umso dauerelastischer ist der Schaumstoff. Bei dem so bezeichneten Raumgewicht (RG) handelt es sich um das Gewicht des Schaumstoffs auf einem Kubikmeter. Die Festigkeit eines Schaumstoffs hängt nicht von der Dichte ab. Ein dicht geschäumter Schaumstoff kann sehr weich oder auch hart eingestellt werden. Ein leichter Schaumstoff kann sehr fest sein. Eine Qualitätsbezeichnung wie RG 35/50 gibt zuerst das Raumgewicht von 35 kg/m³ an, als zweiten Wert die Festigkeit oder Stauchhärte von 50g/cm². Hierbei handelt es sich um einen Sitzschaumstoff mittlerer Qualität. Das Raumgewicht ist zu gering, bei regelmäßiger Benutzung wird der Schaumstoff nach wenigen Monaten an den hauptsächlich beanspruchten Stellen weich.

Eine Qualität mit RG 50/50 ist deutlich langlebiger und wird Ihnen viele Jahre Sitzkomfort verschaffen. Wir verwenden hauptsächlich Kaltschaumstoffe, die deutlich elastischer als herkömmliche Schaumstoffe sind. Es handelt sich hierbei um ein anderes Herstellungsverfahren, bei dem die Schaumstoffe bei der Schäumung nicht warm werden, anders als die herkömmliche Art. Sie zeichnen sich durch sehr hohe Elastizität aus, die dem Latex-Schaum ähnlich ist. Das besondere ist der hohe Sitzkomfort und die Langlebigkeit dieses Schaumstoffs. Der richtige Einsatz der verschiedenen Schaumstoffqualitäten in der Polsterei entscheidet über den Komfort und die langjährige Nutzbarkeit Ihres Polstermöbels.

Wo liegt der Unterschied zwischen einer handgeschnürten Federung und einem Federkern?
Kurz beantwortet: Die handgeschnürte Federung ist handwerklich, der Federkern ist industriell gefertigt. Bei beiden Federungen gibt es qualitative Unterschiede durch die verwendeten Materialien, die Ausführung der Federung und der darauf befindlichen Polsterung.

Die handgeschnürte Federung findet man hauptsächlich in Antiquitäten oder älteren Möbeln (Verwendung bis ca. 1960). Es handelt sich dabei um eine Herstellungsart, die nur noch von wenigen Polsterern beherrscht wird, da die Nachfrage für diese Federungsart hauptsächlich für Antiquitäten angefragt oder von Liebhabern gewünscht wird. Hierzu wird der Sitzrahmen einer Polsterung zuerst mit Jute-Gurten bespannt, auf denen die Federn aufgenäht oder mit Klammern befestigt werden. Die Auswahl der richtigen Federn nimmt der Polsterer vor. Er entscheidet nach gewünschter Festigkeit und Höhe der Federung (Drahtstärke und Gänge z. B. 38/7gg).

Die Federn werden mit einem starken Schnürfaden aus Hanf in der Höhe heruntergeschnürt und in die richtige Stellung gebracht (Stellfaden). Die Form des Sitzes wird bereits mit diesem Faden bestimmt. Es geht dabei um Neigung und Wölbung. Dieser Vorgang wird längs und quer vorgenommen. Wenn die Federn richtig gestellt sind, wird durch einen Knotenfaden die Stellung fixiert. Es sind mehrere Fäden die dort zum Einsatz kommen und letztlich auch die Festigkeit der Federungen bestimmen. Bei den Schnürarten unterscheidet man die „deutsche" oder die „französische" Schnürung. Nach der Fertigstellung der Schnürung erhält die fertige Federung einen Kantendraht, der die obere Kante der Federung einfasst, womit die Oberflächenspannung erhöht wird und woran das spätere Formpolster befestigt wird.

Die Anfertigung einer handgeschnürten Federung erfordert sehr gute Kenntnisse der eingesetzten Taillenfedern, die den späteren Komfort bestimmen, und sehr gute Fertigkeiten bei der Ausführung. Sind die Knoten der Schnürung nicht fest angezogen und oder nicht am richtigen „Gang" der Feder angesetzt, wird die Federung nach kurzem Gebrauch Form und Festigkeit verlieren und ist unbrauchbar. Zudem benötigt diese Federung einen hohen Zeitaufwand zur Herstellung. Ihre Vorteile sind die jahrzehntelange Benutzbarkeit und Ihre kräftige Elastizität. Sie gehört in jede wertvolle Polstermöbel-Antiquität zur originalen Restauration und Werterhalt.

Einen Federkern finden Sie in vielen industriell gefertigten Polstermöbeln. Nicht jedes Polstermöbel, das mit einem Federkern angeboten wird, ist von der Haltbarkeit, die die meisten Käufer davon erwarten. Federkerne gibt es auch mit wenigen Federn auf einem Quadratmeter und aus schlechtem Federstahl gefertigt. Nach wenigen Jahren kann ein solcher Federkern durchgesessen sein. Zudem ist die darauf befindliche Polsterung meistens eine zu dünne und aus minderwertigen Schaumstoffqualitäten gefertigt. Umso hochwertiger der Federkern (viele Federn aus gutem Federstahl), umso langlebiger die Federung.

Man unterscheidet zwischen Endlosfederkernen und Bonellfederkernen. In industriell hergestellten Polstermöbeln befinden sich in der Regel Bonellfederkerne, die in großen Mengen in rechteckiger Einheitsgröße gefertigt werden. Für die verschiedenen Polstermöbelmodelle werden dann Schaumstoffstreifen geschnitten, die die Größenunterschiede ausgleichen, oder eine rundliche Form darstellen können. Im Polsterhandwerk verwenden wir hauptsächlich Endlosfederkerne, die eine größere Federdichte aufweisen und in fast jeder Form hergestellt werden können. Ein Qualitätsfederkern kann ebenso wie die handgeschnürte Federung jahrzehntelang benutzt werden, ohne an Festigkeit zu verlieren.

In unserer Polsterwerkstatt benutzen wir maßgefertigte Endlosfederkerne von höchster Qualität. Leider gibt es auch im Handwerk schwarze Schafe, die diesen Anspruch nicht haben und billige Federkerne verwenden. Lassen Sie sich bei dem Polsterer Ihres Vertrauens den Einsatz des Federkerns in Ihr Möbel zeigen oder dokumentieren, um Gewissheit einer hochwertigen Polsteranfertigung zu bekommen. Der Vorteil eines Federkerns liegt in der schnellen Herstellung einer Federung, da der maßgefertigte Federkern in das Sitzmöbel eingelegt und befestigt werden muss. Die darunter notwendige Unterfederung kann aus einer Flachfederung oder einer Gurte erstellt werden. Der Sitzkomfort ist gut, aber weniger elastisch als die handgeschnürte Federung.

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